Folge #3 – Das HotGate zu mehr Bewegung – Was andere hassen, liebe ich

Aufmerksame Fans von Light Your Fyre kennen das Lifehack-Tool HotGate und ColdGate bereits. HotGates unterstützen gute Angewohnheiten, während ColdGates schlechte Angewohnheiten erschweren. Die Tüte Gummibärchen neben meinem Notebook, während ich diesen Artikel schreibe, ist mit Sicherheit kein HotGate. Aber irgendwie glaube ich, dass ich mir diese Tüte mehr als verdient habe 😉 . Schließlich befindet sich mein Apartment im 5. Stock eines Hochhauses. Und da es in diesem Hochhaus keinen Aufzug gibt, habe ich hier unfreiwillig ein HotGate zu meinem Neujahrsvorsatz, mich ab 2017 mehr zu bewegen, gefunden. Einkäufe in meine Wohnung zu tragen, macht zwar wenig Spaß, aber wird dadurch zu einem ziemlich nicen Workout, welches ohne zusätzlichen Zeitaufwand erledigt wird. Faule Ausreden gibt es nicht, denn um beispielsweise einen Flaschenzug zu bauen und an der Außenwand des Hauses anzubringen bin ich handwerklich einfach zu ungeschickt (das wäre allerdings ein HotGate wenn es mein Ziel wäre meine Einkäufe möglichst rückenschonend nach oben zu transportieren). Und selbst dann müsste ich meinen Körper trotzdem über die Treppe nach oben bewegen.

Das perfekte HotGate! Und ich liebe es. Was ich noch mehr liebe ist mein Arbeitsweg in Deutschland (vom Parkplatz ins Büro). Jeden Morgen ca. 7 Minuten Spaziergang in der frischen Morgenluft! Für viele andere Leute wären der fehlende Aufzug, sowie der morgendliche Zwangs-Spaziergang ein Grund sich zu ärgern. Es kommt auf den Blickwinkel an. Für mich bedeutet beides einen Benefit. Nämlich ein HotGate zu automatisch mehr täglicher Bewegung. Zu zusätzlicher täglicher Frischluftzufuhr.

Deshalb bin ich dafür dankbar, auch wenn´s auf den ersten Blick nach einem starken Mangel an Komfort aussieht. Wo hast du in deinem Alltag ein HotGate? Vielleicht ein verstecktes, vielleicht etwas das im ersten Moment wie ein extremer Nachteil aussieht? Nimm dir am besten gleich fünf Minuten Zeit um darüber nachzudenken.

Viel Erfolg dabei!

Zaijian, bis bald und viel Spaß!

Folge #2 – Nicht alles ist kunterbunt und superschön – Warum ich trotzdem superdankbar bin

Puh – was für ein krasser Tag heute! Ein Wechselbad der Gefühle. Und wahrscheinlich nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was mich hier noch erwartet. Noch immer macht mich tagsüber der Jetlag fertig – 7 Stunden Zeitverschiebung sind eben kein Piece of Cake.

Nun gut, heute um kurz nach 17 Uhr begann mein erstes Wochenende in China. Nachdem es am Morgen noch schönstes Wetter und klarer Himmel sowie neutralriechende Luft gab, hat sich die Situation jetzt geändert. In der Stadt herrschte Smog. Fuck. Dieser beißende Duft ließ mich kurzzeitig tiefste Abneigung gegenüber meiner Entscheidung, hier ein halbes Jahr zu verbringen, spüren. Naja, immerhin wollte mein einheimischer Kollege mit mir essen gehen. Die Restaurants, die es hier an fast jeder Ecke gibt, wirkten auf mich allerdings teilweise richtig abstoßend. Im Schlaraffenland Europa würden die allermeisten davon vom Gesundheitsamt verboten werden. Das war auch der Grund, warum ich meinem armen Kollegen Mal um Mal sagte, dass ich hier nicht essen möchte. Mein verwöhnter Magen drehte sich schließlich schon beim Gedanken an die Hygienezustände fast um. Und eigentlich wollte ich jetzt nur noch zurück in mein Apartment und mich für die nächsten Tage nicht mehr blicken lassen, so entsetzt war ich. Ganz schön dumm von mir. An dieser Stelle traurig zu resignieren, wäre wohl einer der größten Fehler meines Lebens gewesen. Denn das was danach alles passiert ist, war einfach nur noch toll!

Denn das nächste Restaurant, in das er mich schleppte, überzeugte mich. Und wie. Es gab Reisnudeln mit Zwiebeln und Rindfleisch. Es war so lecker, dass ich den kompletten Teller aufgegessen habe 🙂 Wow!

Dann zeigte mir mein Kollege noch einen großen Supermarkt. Ganz in der Nähe meiner Wohnung! Ich bin also ab jetzt in der Lage, ein halbwegs selbstständiges Leben am anderen Ende der Welt zu führen. Nochmal Wow!

Letztenendes hat es sich ausgezahlt, die überwältigen Eindrücke auf mich wirken zu lassen und geduldig zu bleiben. Das ist auch der Grund, warum ich mehr als dankbar dafür bin, hier sein zu können und die Welt von einer anderen Seite kennenlernen. Schon nach weniger als einer Woche wird mir immer mehr bewusst, wie schön wir es zuhause in Deutschland haben. Wir haben es zu schön. Wir brauchen wesentlich weniger, als wir haben. Dennoch sind wir oft unzufrieden, regen uns über das buchstäbliche Haar in der Suppe auf. Warum eigentlich? Es gibt tausende, wenn nicht Millionen von Gründen dankbar zu sein für das was wir haben. Die meisten davon nimmt man in Deutschland einfach nicht wahr, weil der allgegenwärtige Luxus überhandgenommen hat und die Kleinigkeiten, die aber letztenendes den wirklichen Unterschied machen, in diesem Sumpf aus Überstimulierung gar nicht mehr realisiert werden können.

Als Gedankenanstoß einige Beispiele, für die man in Deutschland dankbar sein MUSS: Trinkbares Leitungswasser, die Fähigkeit lesen zu können (Schriftzeichen kann ich leider nicht entziffern), beheizbare Häuser, frische Luft.

Ich persönlich bin im Moment dankbar für all diese Erfahrungen. Für diese unglaublich herzlichen Menschen. Für ganz neue kulinarische Erfahrungen, denn die chinesische Küche bietet offensichtlich eine unfassbare Vielfalt. Für eine spannende, herausfordernde Aufgabe in meinem Beruf. Und für all das, was dieses einzigartige Land noch für mich bereit hält.

Zaijian, bis bald und viel Spaß!

Folge #1 – Second Life – Wie ein Umgebungswechsel zum totalen Neuanfang wird!

Good bye Germany – Ni hao China hieß es für mich Anfang dieser Woche. Meine größte Herausforderung des Jahres. Weg aus dem behüteten Nest Deutschland, wo ich zuhause bin, mich gut auskenne. Weg von Freunden, Familie und den bekannten Kollegen, die mich kennen und immer für mich da sind wenn ich sie brauche. Das alles habe ich eingetauscht gegen eine fremde Umgebung, in der ich mich kaum verständigen kann, nur ein paar Menschen – und diese bisher nur oberflächlich – kenne sowie eine andere Zeitzone, die die Kommunikation mit der Heimat noch zusätzlich erschwert. Ob ich es bereue? Nein! Sicherlich hatte ich schon jetzt den einen oder anderen wehmütigen Moment, wo ich daran denke wie toll jetzt ein ordentliches Schwarzbrot oder eine liebevolle Umarmung meiner Freundin wäre. Doch auf der anderen Seite …

… habe ich zusammen mit all den liebgewonnenen Leuten und dem bekannten Luxusleben auch einen Großteil meiner schlechten Angewohnheiten zuhause gelassen! Diese neue Umgebung ist wie ein weißes Blatt Papier für mich. Ausreden, warum ich z.B. nicht jeden Tag wenigstens 10 Minuten Fitnessübungen  machen kann, kommen mir gar nicht in den Sinn, während es zu Hause immer etwas „wichtigeres“ gab. Der Mensch ist eben ein Gewohnheitstier. Ich will das nun zu meinem Vorteil ausnutzen und genau die Gewohnheiten installieren, die ich mir wünsche. Bisher war ich vielleicht einfach zu willensschwach, die alten Gewohnheiten auszuradieren und zu ersetzen. Hier sprühe ich vor Tatendrang. Klingt komisch, ist aber so 🙂

Mein Appell an dich, lieber Leser: Komm mich besuchen und lass deine alten Gewohnheiten zuhause 🙂 Spaß beiseite, das ist vielleicht etwas viel verlangt (auch wenn ich mich natürlich über Besuch freue). Was ich aber jedem nur empfehlen kann: Einfach mal etwas anders machen als gewohnt – wer den inneren Schweinehund austrickst und nur ein paar kleine Variablen im Leben ändert, um den Autopilot zu deaktivieren, bewusster und mit offenen Augen zu leben, dem wird es viel leichter fallen, neue Gewohnheiten zu etablieren.

Zaijian, bis bald und viel Spaß!