Folge #13 – Dein Ego als Ausrede. Sabotierst du dich selbst?

Sabotierst du dich selbst? Meine klare Antwort dazu lautet: JA!  Wie ich zu dieser Behauptung komme, erfährst du im heutigen Artikel.  Ein Erlebnis aus meiner Zeit in China war jedenfalls der Schlüssel für mich, eine meiner prägendsten Erfahrungen im Leben besser zu verstehen. Am Ende des Artikels bekommst du von mir ein wertvolles Werkzeug, wie man Selbstsabotage ganz gepflegt den Mittelfinger zeigen kann 🙂 


„But we are in China“. „But in China it´s normal“. Ich traute meinen Ohren nicht als mein Kollege mir antwortete, nachdem ich ihn zu mehr Sorgfalt ermahnt hatte. Anscheinend war er tatsächlich der Meinung, dass er sich bei der Arbeit keine außerordentliche Mühe geben müsste, weil wir ja in China sind. Und weil die Qualität dort ja schon immer schlecht war. Ich fragte nach ob er einen Spaß gemacht hat. Nein, es war tatsächlich sein voller Ernst. Und ich war erstmal entsetzt und dachte: „Mensch, ist das eine eigenartige Kultur“. Abends, während meines täglichen Spaziergangs hat mich die Situation immer noch nicht losgelassen. Ich musste mich tiefer damit befassen und darüber nachdenken, da es mich sonst vermutlich bis heute quälen würde…

Wie ist die von mir beschriebene Situation entstanden?

  • Mein Kollege identifiziert sich mit den eigentlich mittlerweile längst überholten Vorurteilen, dass chinesische Produkte von miserabler Qualität sind.
  • Um diesem „Anspruch“ gerecht zu werden, nimmt er es mit der Sorgfalt nicht ganz so genau. Er arbeitet fleißig, ist leidenschaftlich bei seiner Arbeit, ist wissbegierig, geht aber mit eigenen Fehlern sehr relaxt um und nimmt diese als natürlich hin.

Das logische Resultat: Das Vorurteil wird zur Realität! Eine klassische selbsterfüllende Prophezeiung.

Und mir wurde noch mehr bewusst – mit der chinesischen Kultur hat das Ganze relativ wenig zu tun. Stattdessen begann ich, mich selbst zu erkennen.

Ein ganz prägendes Beispiel aus meinem Leben: In der Grundschule war ich ein Musterschüler. Nur logisch, dass ich anschließend aufs Gymnasium geschickt wurde. Das war auch keine schlechte Entscheidung! Allerdings ist dort etwas passiert, was mich bis vor etwa 2 Jahren noch extrem ausgebremst hat. Ich hatte MASSIVSTE Probleme in Mathematik. Komisch, denn Kopfrechnen war und ist eine Sache, die ich sehr gut beherrsche… Trotzdem scheiterte es an einfachsten Dingen, wie Flächenberechnung und Dreisatz. Dinge, die eigentlich jedes Kind, das es auf´s Gymnasium geschafft hat, auf dem Kasten haben sollte.

Und jetzt, 15 Jahre später, bin ich Maschinenbautechniker.

Mathematik pur, während der gesamten Ausbildung. Für mich der Beweis, dass es nicht an meinen Fähigkeiten lag, dass ich die komplette Schulzeit (welche ich wegen Mathematik übrigens ab der 7. Klasse auf der Realschule verbracht habe) in Mathe versagt habe. Nein, dahinter stand ein übler, heimtückischer Glaubenssatz, den ich mir aufgebaut habe. Schlimmer noch, ich habe mich damit identifiziert:

  • „Hi, ich bin Markus, ich bin schlecht in Mathe“

  • „Wozu überhaupt lernen, ich schreibe eh eine 5“

  • „Mathe ist für Genies, und ich wurde als Kind einfach überschätzt“

  • „Das braucht doch kein Mensch, mit diesem Bullshit gebe ich mich nicht ab“

Und auch in der Anfangszeit meiner Fortbildung habe ich mich auf diese Weise sabotiert. Auf die Abschlussprüfung in Physik, August 2014, habe ich mich nicht vorbereitet, „weil es ja eh nichts bringt“. Voilà, wie sollte es sonst kommen, ich bekam die gerechte Quittung, Note 5! Dieses Mal begann ich aber etwas zu verstehen. Auf diesem hohen Niveau ohne Vorbereitung eine 5 schreiben? Eigentlich war das ein Riesenerfolg! Zu was wäre ich in der Lage, wenn ich mich nicht selbst sabotieren würde? Für den Rest der Fortbildung war ich in Mathe zwar immer noch einer der schwächeren Schüler, aber ich war in der Lage, auch komplexere Aufgaben zu lösen und vor allem zu VERSTEHEN. Weil ich begriffen habe, dass es mir nichts nützen wird, mich damit zu identifizieren, dass ich unfähig wäre.


So, jetzt kommst du ins Spiel!

Ich gehe jede Wette ein, dass auch du einen Bereich in deinem Leben hast, wo es irgendwie so gar nicht läuft …

  • Deine Liebesbeziehungen sind pures Drama und Chaos, obwohl du dir nichts weiter als Harmonie wünscht.
  • Du hast, wie ich, ein Schul- oder Studienfach in dem du einfach keine guten Resultate erzielen kannst.
  • Beim Fußballspielen versagen dir jedes Mal die Nerven, wenn du alleine vor dem Torwart auftauchst und eigentlich nur noch einschieben müsstest.
  • Wenn du eine neue Gewohnheit etablieren willst, fällst du schon nach einer Woche in dein altes Muster.
  • Du wünscht dir, von Mitmenschen respektiert zu werden, stattdessen wirst du immer wieder wie Abfall behandelt.
  • Du weißt, dass Rauchen schlecht ist und du versuchst immer wieder damit aufzuhören, aber du brauchst Nikotin komischerweise genau so dringend wie Sauerstoff und Wasser.
  • Du glaubst, dass du zu hässlich bist um einen attraktiven Partner zu finden.
  • Und so weiter…

Nur einige mögliche Beispiele. Was bei dir persönlich schief läuft, weißt du natürlich selbst am besten.

Wenn du etwas daran ändern möchtest, dann gibt es zwei ganz entscheidende Schritte, die du befolgen musst:

  • Wie lautet dein limitierender Glaubenssatz?
  • Wann und warum hast du begonnen, daran zu glauben?

Du musst das Kind beim Namen nennen können, sodass du das nächste Mal, wenn du drauf und dran bist, dich zu sabotieren, vom unterbewussten Modus ins Bewusstsein wechseln zu können und zu begreifen, was gerade passiert. Nur so kannst du gegensteuern und rational denkend die Situation kontrollieren. Genau so habe ich es geschafft, in Mathematik aus meiner Sicht gigantische Erfolge zu erreichen.

Ich habe erkannt, dass es nicht meine Intelligenz oder meine Fähigkeiten waren, die nicht ausreichten, sondern lediglich mein Glaube an mich selbst.

Genau so wichtig ist es zu wissen, wann und warum du begonnen hast, dich selbst zu limitieren. Denn das hilft dabei zu verstehen, dass du die Sorgen größer machst, als sie tatsächlich sind. In meinem Fall war es so, dass ich als 10-jähriger Junge ein paar Mal (aufgrund von miserabler Vorbereitung!) schlechte Noten bekommen habe. Die Ursache dessen habe ich nicht verstanden, da ich es an der Grundschule gewohnt war, dass mir die guten Noten in den Schoß fallen.

Dass das Resultat mein gerechter, verdienter Lohn war, konnte und wollte ich nicht einsehen!


Ein wichtiger Hinweis zum Schluss.

Es braucht Zeit. Wenn du dir tausende Male eingeredet hast, dass du ein Idiot bist, wird es nicht reichen, einmal vor den Spiegel zu stehen und zu sagen: „Tschakka, ich bin der Geilste!“.

Sei also geduldig und konsequent. Den Glaubenssatz zu kennen, ist schon die halbe Miete! Akzeptiere die Tatsache, dass er existiert, aber höre auf ihn zu füttern und dich mit ihm zu identifizieren. Von Zeit zu Zeit werden Erlebnisse kommen, die dich bestätigen und eines Tages wird der neue, positive Glaubenssatz in dein Unterbewusstsein Einzug feiern und dir ganz easy Rückenwind bescheren!

PS: Meinen Glaubenssatz, dass ich schon zu alt bin um noch Fußballprofi zu werden, ist tatsächlich berechtigt. Da wird das ganze „Warum, Wann und Wie“ auch nichts daran ändern. Manche Dinge sollen einfach nicht sein 🙂

 

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