Folge #10 – Warum nur Idioten über ihren Job jammern!

Ohne Zweifel, das will ich gar nicht bestreiten – es gibt Tage, an denen man am liebsten alles hinschmeißen würde. Das Leben ist nicht immer rosarot und kunterbunt, und nicht selten ist unsere Arbeit der Grund dafür. Und das ist ok so. Solange diese Tage die Ausnahme bleiben, muss man nichts in Frage stellen.

Es gibt aber auch andere Härtefälle, die ich schon zuhauf erlebt habe. Leute, die den lieben langen Tag nichts anderes machen als sich über die Art und Weise, wie sie ihr täglich Brot verdienen „müssen“, zu beklagen. „Mein Chef bezahlt mich schlecht, ständig muss ich die Drecksarbeit machen, mein Urlaubsantrag wurde schon wieder abgelehnt“. Da fällt mir nur eins ein: „Shut the f*** up!“, denn wenn dein Job wirklich so scheiße ist, dann gibt´s genau zwei Möglichkeiten:

  • Kündige und such dir was neues.
  • Mach dir bewusst, dass dein Job so scheiße gar nicht sein kann!

Wie ich auf diese Behauptung komme? Ich habe in den letzten Wochen Leute gesehen, deren Arbeit ich für kein Geld der Welt machen würde. Nicht weil ich mich für etwas besseres halte, sondern weil die Art und Weise der Tätigkeit menschenverachtend ist. Und dabei ist mir sogar noch sehr wohl bewusst, dass die Jobs die ich hier in China gesehen habe im internationalen Vergleich noch immer Top-Arbeitsplätze darstellen. Ich habe gesehen, wie eine Straße renoviert wurde. Dazu sollte die alte Fahrbahnmarkierung entfernt werden. In Deutschland wäre das ganz fix erledigt – vermutlich würde eine Fräse oder anderes schweres Gerät anrücken und die Farbe im Handumdrehen und relativ schweißfrei entfernen. In China läuft das anders – hier wurde eine Truppe von etwa 5 älteren Männern, etwa um die 60 genommen, mit einem Sitzschemel und einem Hammer ausgestattet und auf die Straße gesetzt. Wohlgemerkt ohne Warnweste oder Warndreieck in einigem Abstand, sodass Autos die Arbeiter erkennen können, dafür immerhin mit einem Schutzhelm (schließlich könnte ihnen ja der Himmel auf den Kopf fallen). Da saßen sie nun mit ihrem Schemel, auf der öffentlichen Straße mit ihren Schutzhelmen in der prallen Sonne, ca. 30°C. Schlugen mit ihrem Hammer auf den Asphalt ein. Schlag für Schlag bröckelte die Farbe langsam vom Boden ab. Am Ende des Tages war auf der Straße keine Markierung mehr erkennen. Gute Arbeit haben die Kollegen geleistet! Zum Dank haben sie vermutlich einen Lohn bekommen, der in Deutschland gerade mal für ein warmes Mittagessen reichen würde. Von den Rückenschmerzen und Haltungsschäden ganz zu schweigen.

Oder möchtest du mit dem Mann tauschen, der bei uns in der Firma neulich die Bodenmarkierungen nachgestrichen hat? Dass Farbe meistens nicht gerade gesundheitsfördernd ist, ist kein Geheimnis – aber der beißende Geruch der Chemikalien, die er verwenden musste sind eine ganz andere Dimension im Vergleich zu allem was meine Nase bisher ertragen musste. Monatelang fermentierendes Tofu, was hier in der Nähe von Shanghai als Delikatesse gilt, ist dagegen auf jeden Fall ein Gedicht. Naja, der gute Mann hatte keinen Mund- oder Atemschutz. Und ich habe schon nach 10 Sekunden in seiner Nähe einen Hustenanfall bekommen. Bin ich einfach so empfindlich oder ist er abgehärtet wie ein japanisches Samuraischwert? Ich bin der Meinung, dass niemand auf der Welt unter solchen Bedingungen arbeiten sollte.

So, wo ist jetzt dein Argument, dein großer Grund dich zu beklagen? Wir haben in Deutschland großartige Voraussetzungen. Sicher gibt es auch in Deutschland einige sehr harte Berufe, aber mit großer Wahrscheinlichkeit nichts was mit dem was in anderen Ländern passiert vergleichbares. Unsere Möglichkeiten in Deutschland sind gigantisch! Ich sage nur kostenlose Schulbildung, die duale Ausbildung, immer leichter werdender Zugang zu Fachhochschulen und (relativ) freie Berufswahl.

Also nochmal die beiden Möglichkeiten für die weniger schönen Phasen des Alltags: Mach dir bewusst, wie gut du es im internationalen Vergleich hast oder, wenn das nur ein schwacher Trost ist, ändere deine Situation, denn Europa bietet dazu fast grenzenlose Möglichkeiten!

 

 

 

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