Folge #8 – Wie zu viel Emotion jede Beziehung vernichtet

Die Chinesen haben uns Deutschen etwas voraus – Ich habe noch nie eine solche Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft erlebt. Wenn ich Hilfe brauche, lässt jeder sofort alles stehen und liegen um mir zur Seite zu stehen. Manchmal ein ganz schön komisches Gefühl, aber ich bin sehr dankbar für diese wunderbaren Freunde, die ich hier gefunden habe. Jedoch – so unbeschreiblich gutherzig wie die privaten Beziehungen sind, ebenso von Drama, Impuls und Chaos geprägt sind die Geschäftsbeziehungen. Woran ich die Analogie einer chinesischen Geschäftsbeziehung zu einer Liebesbeziehung oder Freundschaft festmache, das erfährst du in den nächsten Zeilen!

Fehler sind menschlich. Es passiert eben. Wichtig ist es, aus Fehlern zu lernen und passende Lösungen für die daraus entstandenen Konsequenzen zu finden. Meine Aufgabe ist es unter anderem, Fehlerursachen ausfindig zu machen und in Zukunft abzustellen. Das ist sehr spannend, wie du dir sicher vorstellen kannst. Worauf ich allerdings angewiesen bin, ist Kooperation. Ob mein Kunde nun die interne Produktions- oder Forschungsabteilung ist oder der eine externe Firma ist, spielt diesbezüglich kaum eine Rolle. Was mir hier in den ersten 3 Monaten jedoch ganz deutlich auffällt, sind die Unterschiede einer deutschen und einer chinesischen Kunde-Lieferant-Beziehung. Der deutsche Kunde kooperiert – da hat man ein Gefühl von gegenseitigem Respekt und Vertrauen. Notwendige Informationen werden – sofern sie nicht Betriebsgeheimnis sind – offen ausgetauscht, wenn sie der Problemlösung zuträglich sind. Es ist eine relativ gleichberechtigte Beziehung auf Augenhöhe. In China ist das „etwas“ anders. Die Kommunikation ist kaum lösungsorientiert – es geht überwiegend um Machtausübung. Der Lieferant wird „von oben herab“ behandelt. Probleme werden wenig logisch, sondern sehr stark emotional angegangen. Und so passiert es hier viel zu oft, dass die Abstellmaßnahme unnötig verzögert wird, weil Kunden den Lieferanten harsch in ihr Werk „bitten“ – obwohl man eine Lösung unkompliziert, effizienter und effektiver in einem Telefonat oder einer E-Mail bieten könnte, wenn man denn dürfte. Denn der Kundenbesuch wird nicht geplant, bzw. am nächsten Tag durchgeführt, sondern er hat SOFORT zu erfolgen. Um 13 Uhr wird ein vermeintlicher Qualitätsmangel entdeckt, um 14 Uhr wird die Anwesenheit in einer 50 km entfernten Stadt erwartet. Irre, oder? Dass da nicht viel Zeit bleibt, um sich vorzubereiten und tatsächlich vor Ort Mehrwert zu bieten, erklärt sich von selbst… Wie gesagt, das ist in meinen Augen keine lösungsorientierte Strategie, sondern reine Schikane und Machtausübung. Oder wie ich es auch nenne: Drama!

Das ist meiner Meinung nach ein schönes Gleichnis. Denn im Privatleben läuft es oft nicht anders ab – in Deutschland und wahrscheinlich auch überall sonst! Hand aufs Herz, wer hatte noch nie einen Freund oder eine Freundin (ob in einer Liebesbeziehung oder rein freundschaftlich spielt keine Rolle), mit dem ein konstruktives „Problemmanagement“ absolut unmöglich war? Da sagt man spontan und schweren Herzens eine Verabredung ab, weil z.B. die Oma ins Krankenhaus muss oder man unvorhergesehen Überstunden leisten soll und der „Freund“ macht daraus eine Riesenwelle, etwa in Form von üblen Beleidigungen, Kontaktabbruch bis hin zu Rufmord. Weil jemand mal den Jahrestag verschwitzt hat oder mal eine Stunde nicht auf WhatsApp geantwortet hat werden Riesenfässer aufgemacht und bitterböse verbale Konflikte gestartet. Diese permanenten Dramen in vielen Beziehungen, die ständigen kleinen Kriegsschauplätze wegen unkonstruktiv und rein emotional angegangenen Problemen, untergraben langfristig jegliche Loyalität. Ich will gar nicht wissen, wie viele Liebesbeziehungen wegen solchem Bullshit gescheitert sind.

So rein aus Impuls und aus der Emotion heraus fällt es schwer empathisch zu sein. Und Empathie ist mächtig. Vielleicht sogar das mächtigste Werkzeug im Hinblick auf Konflikte. Es bedeutet so viel wie Mitgefühl, sich in einen anderen hineinversetzen. Und das geht von beiden Seiten, sowohl der „Übeltäter“ als auch der „Geschädigte“ sollte das tun. Wenn ich also das Jahrestagsessen mit meiner Freundin schweren Herzens absagen muss, weil Oma oder Opa dringend Hilfe brauchen oder ich einem Freund den gemeinsamen Kinobesuch 3 Stunden vorher absage, weil mein Chef von mir Überstunden verlangt, dann meine ich das sicher nicht böse. Und so sollte ich es auch kommunizieren. Denn ich selbst bin natürlich auch enttäuscht, wenn mir jemand (am besten spontan 🙁 ) absagt. Was mich dann auf jeden Fall interessiert, sind die Gründe dafür. Das ist man dem Gegenüber in jedem Fall schuldig. Und auf der anderen Seite wünsche ich mir, dass ich in meinen Beweggründen verstanden werde und zusätzlich zu meiner persönlichen Enttäuschung noch ein ausgewachsenes Beziehungs-/Freundschaftsproblem heranwächst. Denn das ist Drama in Reinform. Davon profitiert wirklich niemand.

Emotion, um auf den Titel des heutigen Artikels zurückzukommen, will ich nicht verteufeln, auf gar keinen Fall. Jegliche Beziehung braucht etwas Reibung und lebt von Emotion. Es kommt aber darauf an, welcher Art die Emotionen sind. Feurige Leidenschaft, Hingabe und Loyalität, das sind hilfreiche Emotionen. Drama, Missgunst, Machtgehabe schaden nur. Ausschließlich. Daher mein Appell an die Welt: Verbale Gewalt in der Kommunikation ist scheiße. Sie taugt nur um Beziehungen nachhaltig zu vernichten. Und selbst um Beziehungen zu beenden gibt es Millionen von besseren Wegen. Das Zauberwort lautet Empathie! Wie kann mein Kunde oder Lieferant (=Freund, Freundin, wer auch immer …) verstehen, worum es mir geht? Wie kann man gemeinsam auf Augenhöhe eine nachhaltige Lösung für Konflikte finden und Missverständnisse in Zukunft vermeiden? Denn das ist das Geheimnis für innige Freundschaften und lebenslange Liebesbeziehungen. Lasst uns diese Mentalität leben und so dazu beitragen, die Konflikte auf der Erde auf breiter Basis zu bekämpfen, mit unserer Empathie!

2 Antworten auf „Folge #8 – Wie zu viel Emotion jede Beziehung vernichtet“

  1. Lieber Markus,

    Vielen Dank für deinen tollen Blog. Genau das selbe erlebe ich hier gerade im Marokko. Die Menschen hier sind so herzlich, voller Liebe und hilfsbereit. Doch ebenso viel zu viele Emotionen die hier überkochen. Für mich als Frau (die kein Berber bzw. Arabisch kann) ist es doppelt schwer. Denn hinzu kommt dass Frauen auf eine gewisse Art und Weise auf Augenhöhe sind, trotzdem unter dem Mann stehen und Ihr „Wort“ nicht so viel Wert hat wie das des Mannes. Ich bin eine Deutsche Intelligente Frau und zeige den Menschen hier konstruktive Lösungsvorschläge. Mir wird viel Respekt dafür gegenüber gebracht, allerdings „angenommen“ wird es nicht. Die Menschen hier können sich nicht vorstellen, dass es funktioniert. Es scheint wie ein guter Gedanke, ein Traum Utopie.

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