Folge #4 – Fleisch und wie sich meine Einstellung dazu geändert hat

Hmmm …. lecker, Shrimps! Gut, darüber gibt es geteilte Meinungen. Bis vor ca. 5 Wochen gehörte ich noch zu der Sorte, die man damit jagen konnte. Dann war ich zum ersten Mal in China. Mann, sind die dort lecker! Liegt wahrscheinlich daran, dass sie dort, Nähe Shanghai, also direkt am Meer, nicht so lange Transportwege zurücklegen müssen wie bei uns, also wesentlich frischer sind. Jaaa, frisch. Wie frisch, das habe ich gestern erfahren. Genau genommen habe ich (glaube ich) noch nie zuvor etwas so frisches gegessen. Und genau da kam der große AHA!-Effekt her.

Zartbesaitete mögen an dieser Stelle vielleicht abbrechen zu lesen. Denn – die Tierchen waren noch quietschfidel, als sie serviert wurden. Am Tisch, ein kleiner Elektrogrill mit einer Pfanne. Darin sind die meisten davon direkt gelandet, zwei hatten einen ausgeprägten Lebenswillen und konnten sich noch aus der Pfanne retten – zumindest bis die Bedienung sie packte und dorthin ablegte, wo sie hingehörten. Nämlich auf den Grill. Dahin, wo die anderen ca. 20 Shrimps noch mehr oder weniger energisch im Todeskampf zappelten. Nach einigen Minuten hatte schließlich jeder einzelne der kleinen Wichte den aussichtslosen Kampf verloren. Sie waren tot – und verzehrsbereit. Zwickmühle für mich – eigentlich war ich etwas angewidert von dieser Praxis – auf der anderen Seite sehr hungrig. Ich habe mich entschieden, zu essen. Komisches Gefühl. Man reißt ihnen Kopf und Schwanz ab und isst den Rest. Findest du das ethisch korrekt? Das würde mich brennend interessieren, schreib deine Meinung gern in die Kommentare.

In Deutschland bekommt man meines Wissens nach meistens nur den essbaren Teil serviert. Und genau das finde ich persönlich, nach meinen bisherigen Erfahrungen in China, ethisch NICHT korrekt. In der deutschen Küche fehlt definitiv das Bewusstsein, dass Fleischprodukte (ich zähle Meeresfrüchte und Fisch der Einfachheit halber dazu) einmal Lebewesen waren. Lebewesen, die für unseren Hunger, oder schlimmer – unsere Geschmacksgelüste – gestorben sind. Und nein, ich will jetzt niemanden bekehren, in Zukunft vegetarisch zu leben – ganz im Gegenteil!

In China ist es nicht unüblich, dass ein nicht ganz kleiner Rest des Essens übrig gelassen wird. Das zeigt dem Koch, dass er nicht zu wenig aufgetischt hat. Gestern, nachdem ich das Essen aus Ehrfurcht vor dem Leben der Shrimps so genossen habe wie selten zuvor, habe ich meine chinesischen Freunde gebeten, nichts ehemals lebendiges übrig zu lassen. Der Gedanke, dass einer dieser Shrimps, die allesamt mutig und tapfer den Kampf David gegen Goliath, Shrimp gegen Pfanne, angenommen und unvermeidlich verloren haben, umsonst gestorben ist und einfach im Mülleimer landen sollte, hat mich irgendwie innerlich fertig gemacht. Mein neuester Vorsatz:

  • Genieße Fleisch mit vollem Bewusstsein und voller Demut!
  • Sei dankbar für Fleisch!
  • Wirf Fleisch niemals leichtfertig weg!

Ich freue mich auf dein Feedback. Ich hoffe, dass ich dich mit diesem Artikel berühren und damit zum Nachdenken anregen konnte.

Zaijian!

 

 

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