Folge #13 – Dein Ego als Ausrede. Sabotierst du dich selbst?

Sabotierst du dich selbst? Meine klare Antwort dazu lautet: JA!  Wie ich zu dieser Behauptung komme, erfährst du im heutigen Artikel.  Ein Erlebnis aus meiner Zeit in China war jedenfalls der Schlüssel für mich, eine meiner prägendsten Erfahrungen im Leben besser zu verstehen. Am Ende des Artikels bekommst du von mir ein wertvolles Werkzeug, wie man Selbstsabotage ganz gepflegt den Mittelfinger zeigen kann 🙂 


„But we are in China“. „But in China it´s normal“. Ich traute meinen Ohren nicht als mein Kollege mir antwortete, nachdem ich ihn zu mehr Sorgfalt ermahnt hatte. Anscheinend war er tatsächlich der Meinung, dass er sich bei der Arbeit keine außerordentliche Mühe geben müsste, weil wir ja in China sind. Und weil die Qualität dort ja schon immer schlecht war. Ich fragte nach ob er einen Spaß gemacht hat. Nein, es war tatsächlich sein voller Ernst. Und ich war erstmal entsetzt und dachte: „Mensch, ist das eine eigenartige Kultur“. Abends, während meines täglichen Spaziergangs hat mich die Situation immer noch nicht losgelassen. Ich musste mich tiefer damit befassen und darüber nachdenken, da es mich sonst vermutlich bis heute quälen würde…

Wie ist die von mir beschriebene Situation entstanden?

  • Mein Kollege identifiziert sich mit den eigentlich mittlerweile längst überholten Vorurteilen, dass chinesische Produkte von miserabler Qualität sind.
  • Um diesem „Anspruch“ gerecht zu werden, nimmt er es mit der Sorgfalt nicht ganz so genau. Er arbeitet fleißig, ist leidenschaftlich bei seiner Arbeit, ist wissbegierig, geht aber mit eigenen Fehlern sehr relaxt um und nimmt diese als natürlich hin.

Das logische Resultat: Das Vorurteil wird zur Realität! Eine klassische selbsterfüllende Prophezeiung.

Und mir wurde noch mehr bewusst – mit der chinesischen Kultur hat das Ganze relativ wenig zu tun. Stattdessen begann ich, mich selbst zu erkennen.

Ein ganz prägendes Beispiel aus meinem Leben: In der Grundschule war ich ein Musterschüler. Nur logisch, dass ich anschließend aufs Gymnasium geschickt wurde. Das war auch keine schlechte Entscheidung! Allerdings ist dort etwas passiert, was mich bis vor etwa 2 Jahren noch extrem ausgebremst hat. Ich hatte MASSIVSTE Probleme in Mathematik. Komisch, denn Kopfrechnen war und ist eine Sache, die ich sehr gut beherrsche… Trotzdem scheiterte es an einfachsten Dingen, wie Flächenberechnung und Dreisatz. Dinge, die eigentlich jedes Kind, das es auf´s Gymnasium geschafft hat, auf dem Kasten haben sollte.

Und jetzt, 15 Jahre später, bin ich Maschinenbautechniker.

Mathematik pur, während der gesamten Ausbildung. Für mich der Beweis, dass es nicht an meinen Fähigkeiten lag, dass ich die komplette Schulzeit (welche ich wegen Mathematik übrigens ab der 7. Klasse auf der Realschule verbracht habe) in Mathe versagt habe. Nein, dahinter stand ein übler, heimtückischer Glaubenssatz, den ich mir aufgebaut habe. Schlimmer noch, ich habe mich damit identifiziert:

  • „Hi, ich bin Markus, ich bin schlecht in Mathe“

  • „Wozu überhaupt lernen, ich schreibe eh eine 5“

  • „Mathe ist für Genies, und ich wurde als Kind einfach überschätzt“

  • „Das braucht doch kein Mensch, mit diesem Bullshit gebe ich mich nicht ab“

Und auch in der Anfangszeit meiner Fortbildung habe ich mich auf diese Weise sabotiert. Auf die Abschlussprüfung in Physik, August 2014, habe ich mich nicht vorbereitet, „weil es ja eh nichts bringt“. Voilà, wie sollte es sonst kommen, ich bekam die gerechte Quittung, Note 5! Dieses Mal begann ich aber etwas zu verstehen. Auf diesem hohen Niveau ohne Vorbereitung eine 5 schreiben? Eigentlich war das ein Riesenerfolg! Zu was wäre ich in der Lage, wenn ich mich nicht selbst sabotieren würde? Für den Rest der Fortbildung war ich in Mathe zwar immer noch einer der schwächeren Schüler, aber ich war in der Lage, auch komplexere Aufgaben zu lösen und vor allem zu VERSTEHEN. Weil ich begriffen habe, dass es mir nichts nützen wird, mich damit zu identifizieren, dass ich unfähig wäre.


So, jetzt kommst du ins Spiel!

Ich gehe jede Wette ein, dass auch du einen Bereich in deinem Leben hast, wo es irgendwie so gar nicht läuft …

  • Deine Liebesbeziehungen sind pures Drama und Chaos, obwohl du dir nichts weiter als Harmonie wünscht.
  • Du hast, wie ich, ein Schul- oder Studienfach in dem du einfach keine guten Resultate erzielen kannst.
  • Beim Fußballspielen versagen dir jedes Mal die Nerven, wenn du alleine vor dem Torwart auftauchst und eigentlich nur noch einschieben müsstest.
  • Wenn du eine neue Gewohnheit etablieren willst, fällst du schon nach einer Woche in dein altes Muster.
  • Du wünscht dir, von Mitmenschen respektiert zu werden, stattdessen wirst du immer wieder wie Abfall behandelt.
  • Du weißt, dass Rauchen schlecht ist und du versuchst immer wieder damit aufzuhören, aber du brauchst Nikotin komischerweise genau so dringend wie Sauerstoff und Wasser.
  • Du glaubst, dass du zu hässlich bist um einen attraktiven Partner zu finden.
  • Und so weiter…

Nur einige mögliche Beispiele. Was bei dir persönlich schief läuft, weißt du natürlich selbst am besten.

Wenn du etwas daran ändern möchtest, dann gibt es zwei ganz entscheidende Schritte, die du befolgen musst:

  • Wie lautet dein limitierender Glaubenssatz?
  • Wann und warum hast du begonnen, daran zu glauben?

Du musst das Kind beim Namen nennen können, sodass du das nächste Mal, wenn du drauf und dran bist, dich zu sabotieren, vom unterbewussten Modus ins Bewusstsein wechseln zu können und zu begreifen, was gerade passiert. Nur so kannst du gegensteuern und rational denkend die Situation kontrollieren. Genau so habe ich es geschafft, in Mathematik aus meiner Sicht gigantische Erfolge zu erreichen.

Ich habe erkannt, dass es nicht meine Intelligenz oder meine Fähigkeiten waren, die nicht ausreichten, sondern lediglich mein Glaube an mich selbst.

Genau so wichtig ist es zu wissen, wann und warum du begonnen hast, dich selbst zu limitieren. Denn das hilft dabei zu verstehen, dass du die Sorgen größer machst, als sie tatsächlich sind. In meinem Fall war es so, dass ich als 10-jähriger Junge ein paar Mal (aufgrund von miserabler Vorbereitung!) schlechte Noten bekommen habe. Die Ursache dessen habe ich nicht verstanden, da ich es an der Grundschule gewohnt war, dass mir die guten Noten in den Schoß fallen.

Dass das Resultat mein gerechter, verdienter Lohn war, konnte und wollte ich nicht einsehen!


Ein wichtiger Hinweis zum Schluss.

Es braucht Zeit. Wenn du dir tausende Male eingeredet hast, dass du ein Idiot bist, wird es nicht reichen, einmal vor den Spiegel zu stehen und zu sagen: „Tschakka, ich bin der Geilste!“.

Sei also geduldig und konsequent. Den Glaubenssatz zu kennen, ist schon die halbe Miete! Akzeptiere die Tatsache, dass er existiert, aber höre auf ihn zu füttern und dich mit ihm zu identifizieren. Von Zeit zu Zeit werden Erlebnisse kommen, die dich bestätigen und eines Tages wird der neue, positive Glaubenssatz in dein Unterbewusstsein Einzug feiern und dir ganz easy Rückenwind bescheren!

PS: Meinen Glaubenssatz, dass ich schon zu alt bin um noch Fußballprofi zu werden, ist tatsächlich berechtigt. Da wird das ganze „Warum, Wann und Wie“ auch nichts daran ändern. Manche Dinge sollen einfach nicht sein 🙂

 

Folge #12 – Life sucks. Oder doch nicht?!

Der Sinn des Lebens ist von Geburt an vorbestimmt – und sorry Folks, dieser Artikel ist nichts für Romantiker. Aber es gibt ein Happy End, versprochen!

Du und so gut wie alle anderen Menschen sind scheinbar zu einem bestimmten Zweck geboren – du sollst in das Schema F passen! Im Idealfall bist du ein gieriger Nimmersatt, der jeden Monat aufs Neue sein hart erarbeitetes Geld in nutzlose Konsumgüter wie teure Klamotten, Autos, eine pompöse Hochzeit und ein schön großes Eigenheim steckt. Die vermeintlich größten Freuden im Leben sind natürlich nur fremdfinanziert – von der Bank deine Vertrauens – realisierbar, sodass du immer mehr zum Sklaven deiner vermeintlichen Bedürfnisse wirst, die in Konsumschulden gipfeln. Die ganze Zeit hast du die Illusion von Freiheit, doch in Wahrheit zwingst du dich selbst mit jedem neuen Einkauf dazu, jeden weiteren neuen Tag ziemlich identisch zu verbringen. Alles mit dem selben Ziel vor Augen: Das nächste Wochenende, der nächste Urlaub, die nächste Gehaltsabrechnung, das nächste Statussymbol, das du dir „gönnst“, sei es als Belohnung oder als Entschädigung für deine Aufopferung. Um das Ganze noch auf die Spitze zu treiben, gehst du regelmäßig in FastFood-Restaurants, die den Ruf haben, dass du dort günstig und schnell frisches Essen bekommst, das dich jedoch in Wahrheit nur eine Stunde lang sättigt und dich langfristig todkrank machen wird. Und ganz nebenbei sogar dann zu teuer wäre, wenn du dafür bezahlt würdest, es zu essen.


Schluss mit dem Wahnsinn! Zum Glück müssen diese verstörenden Worte nicht der Wahrheit entsprechen. Denn du selbst hast es in der Hand dem Leben einen Sinn zu geben!

„Das Leben hat keinen Sinn außer dem, den wir ihm geben.“ – Thornton Wilder

Es ist deine Entscheidung. Willst du ein braver Konsumsklave sein und der Masse folgen? Deinen Selbstwert nur über deine Klamotten, dein Auto und sonstigen wertlosen Bullshit definieren? Deine Zeit damit verbringen, Geld zu verdienen, um Leuten die du nicht magst, mit Dingen, die du nicht brauchst zu imponieren? Einen Job auswählen, nur weil er gut bezahlt wird, obwohl er dir keine Freude bereitet? Den Montag hassen, während du den Freitag vergötterst? Das ist ok. Aber dann beklag dich nicht darüber.

Die andere Möglichkeit: Liebe das was du tust. Such dir keinen Job, sondern eine Berufung! Arbeit darf keine Plage sein, sondern sollte sinnspendend und erfüllend sein. Wir in Europa haben das Privileg uns über solche Dinge Gedanken zu machen. In meinen Augen wäre es die schlimmstmögliche Sünde und Frechheit gegenüber der „Dritten Welt“ diese Möglichkeit ungenutzt zu lassen.

Hinterfrage die Konsumsucht, unter der wir alle irgendwie leiden. Müssen es wirklich überteuerte Markenprodukte sein oder tun es auch No-Name-Produkte, die ebenso durchaus qualitativ hochwertig sein können? Muss es ein pompöser Sportwagen sein oder reicht ein bescheidenes Kompaktfahrzeug oder gar öffentliche Verkehrsmittel (falls du in der Stadt wohnst), um dich von A nach B zu befördern? Mir persönlich gelingt es immer besser, Versuchungen zu widerstehen und die Sinnhaftigkeit von Konsum zu hinterfragen, aber ich bin bei weitem noch nicht dagegen immun. Es ist ein weiter Weg, der sich aber im Hinblick auf meine Lebensqualität lohnen wird.


Denn eines weiß ich ganz sicher … und damit nehme ich die Aussage aus dem ersten Satz des Blogs zurück, wonach der Sinn des Lebens von Geburt an vorbestimmt sei:

Niemandes wahrer Lebenssinn ist es, ein nimmersatter Konsumsklave zu sein, der seinen Selbstwert einzig aus der „Bewunderung“ durch andere zieht. Niemand sollte sein Leben lang teuren, wertlosen Autos, Kleidungsstücken, sonstigen Markenprodukten (the list goes on…) hinterherhecheln wie ein einsamer bedürftiger Hund, der verzweifelt um Aufmerksamkeit bettelt. Gieriger Konsum ist ein Symptom von Langeweile – letztenendes also mangelndem Willen sich selbst zu beschäftigen, zu denken, auch bekannt als Faulheit!

Die Welt ist ein großartiger Ort. Wir leben vermutlich in den besten Zeiten seit Anbeginn der Geschichte. Wir KÖNNEN größtenteils frei entscheiden, was wir tun – wenn wir von diesem Privileg Gebrauch machen. Die Natur, Kommunikation mit begeisternden Menschen, erfüllende Hobbies, eine Arbeit die dich jeden Morgen gern aufstehen lässt – die Entscheidung, worin du Sinn siehst, liegt bei dir!

 

 

Folge #11 – Mr. Lu und seine Lektionen an uns alle

Heute wurde mir ganz unverhofft eine große Ehre zuteil. Ich habe Mr. Lu, den Maler kennengelernt. Kein Maler wie aus meinem letzten Blogartikel, der mit stinkenden Chemikalien hantieren muss, sondern ein Künstler!

Samstags gibt er regelmäßig Malkurse. Naja, war für mich bisher nicht wirklich interessant, da ich mit Farb- und Pinselstrich nicht übermäßig talentiert bin, zumindest geben meine Glaubenssätze mir das zur Zeit vor. Heute habe ich mich (zum Glück!) von meiner Kollegin überreden lassen, zum Malkurs mitzukommen.

Die erste Lektion habe ich für mich selbst gelernt:

Lasst uns weniger werten! Kunst ist frei. Es gibt kein „gut“ oder „schlecht“. Es kommt auf die individuelle, subjektive Wahrnehmung an. Damit zu meinem Gemälde. Ein Picasso ist es auf gar keinen Fall, aber das liegt wohl in erster Linie daran, dass mein Name nicht Picasso lautet. Und auch mein Glaubenssatz „Du kannst nicht gut malen!“ stimmt so gar nicht. Ich werde mein Bild auf jeden Fall an die Wand hängen und damit meine innere Limitierung pulverisieren 🙂 Was ich allgemein damit sagen will: Hinterfrage dich selbst von Zeit zu Zeit. Jeder hat Stärken und Schwächen, klar. Aber: Viel davon basiert einzig auf Einbildung. Ich habe als Kind liebend gern gemalt, so gut wie jeden Nachmittag nach der Schule damit verbracht. Bis mir, als ich etwa zwölf Jahre alt war, ein damaliger Freund gesagt hat dass er von meinem Gekritzel Augenkrebs bekäme. Bamm, das hat gesessen – gemalt habe ich seit dem nicht mehr. Hast du auch solche Dinge erlebt? Ich denke, die Chance ist recht hoch. Gib dir einen Ruck, hör auf diese zweifelsohne schmerzhaften Erinnerungen zu unterdrücken, sondern lass sie auf dich wirken. Beginne, die Gründe für deine Selbstlimitierung zu begreifen. Und probier´s mal wieder aus, was du dir dein Leben lang schlecht geredet hast!

Die zweite Lektion habe ich vom ehrenwerten Mr. Lu gelernt:

Besitztümer sind Ballast! Mr. Lu ist Künstler, er lebt davon, einen freien, unbeschwerten Geist zu haben. Seine spartanisch eingerichtete Wohnung hilft ihm dabei. Drei Räume hat er: Sein Atelier, in dem nichts weiter als seine Staffelei und ein Regal mit einer Sammlung seiner Werke steht; sein Schlafzimmer, dort befindet sich sein Computer und ein „Bett“, eine Matratze in der Ecke des Raumes.  Zu guter Letzt der größte Raum, sein Schulungsraum, der gleichzeitig als Esszimmer dient und auch eine kleine Küche beinhaltet. Einen Fernseher besitzt er (bewusst!) nicht. Allgemein habe ich den Eindruck, dass die spärliche Einrichtung nicht etwa Geldnot, sondern überzeugten Minimalismus als Ursache hat. So schafft er es, nicht permanent abgelenkt zu werden und sich auf das Wesentliche, seine Kunst, zu konzentrieren!

Die dritte Lektion, ebenfalls von Mr. Lu:

Wähle deine Freunde weise! Seine Aussage (sinngemäß): Nichts schadet deinem Wohlbefinden mehr, als falsche Freunde. Sie sind so etwas wie deine Familie. Trenne dich von Leuten, die dir schaden oder nur deine Energie saugen. Umgib dich mit denen, die dir ähnlich sind und dich unterstützen.

Ich habe viel gelernt an diesem Abend. Als Andenken gab er mir eines seiner Gemälde als Geschenk. Ich durfte mir sogar aussuchen welches ich möchte. Selten habe ich eine so beeindruckende Person getroffen!

Nochmal die 3 Lektionen:

  1. Lasst uns weniger werten!
  2. Besitztümer sind Ballast!
  3. Wähle deine Freunde weise!

Zaijian und bis zum nächsten Mal!

~Markus

 

Folge #10 – Warum nur Idioten über ihren Job jammern!

Ohne Zweifel, das will ich gar nicht bestreiten – es gibt Tage, an denen man am liebsten alles hinschmeißen würde. Das Leben ist nicht immer rosarot und kunterbunt, und nicht selten ist unsere Arbeit der Grund dafür. Und das ist ok so. Solange diese Tage die Ausnahme bleiben, muss man nichts in Frage stellen.

Es gibt aber auch andere Härtefälle, die ich schon zuhauf erlebt habe. Leute, die den lieben langen Tag nichts anderes machen als sich über die Art und Weise, wie sie ihr täglich Brot verdienen „müssen“, zu beklagen. „Mein Chef bezahlt mich schlecht, ständig muss ich die Drecksarbeit machen, mein Urlaubsantrag wurde schon wieder abgelehnt“. Da fällt mir nur eins ein: „Shut the f*** up!“, denn wenn dein Job wirklich so scheiße ist, dann gibt´s genau zwei Möglichkeiten:

  • Kündige und such dir was neues.
  • Mach dir bewusst, dass dein Job so scheiße gar nicht sein kann!

Wie ich auf diese Behauptung komme? Ich habe in den letzten Wochen Leute gesehen, deren Arbeit ich für kein Geld der Welt machen würde. Nicht weil ich mich für etwas besseres halte, sondern weil die Art und Weise der Tätigkeit menschenverachtend ist. Und dabei ist mir sogar noch sehr wohl bewusst, dass die Jobs die ich hier in China gesehen habe im internationalen Vergleich noch immer Top-Arbeitsplätze darstellen. Ich habe gesehen, wie eine Straße renoviert wurde. Dazu sollte die alte Fahrbahnmarkierung entfernt werden. In Deutschland wäre das ganz fix erledigt – vermutlich würde eine Fräse oder anderes schweres Gerät anrücken und die Farbe im Handumdrehen und relativ schweißfrei entfernen. In China läuft das anders – hier wurde eine Truppe von etwa 5 älteren Männern, etwa um die 60 genommen, mit einem Sitzschemel und einem Hammer ausgestattet und auf die Straße gesetzt. Wohlgemerkt ohne Warnweste oder Warndreieck in einigem Abstand, sodass Autos die Arbeiter erkennen können, dafür immerhin mit einem Schutzhelm (schließlich könnte ihnen ja der Himmel auf den Kopf fallen). Da saßen sie nun mit ihrem Schemel, auf der öffentlichen Straße mit ihren Schutzhelmen in der prallen Sonne, ca. 30°C. Schlugen mit ihrem Hammer auf den Asphalt ein. Schlag für Schlag bröckelte die Farbe langsam vom Boden ab. Am Ende des Tages war auf der Straße keine Markierung mehr erkennen. Gute Arbeit haben die Kollegen geleistet! Zum Dank haben sie vermutlich einen Lohn bekommen, der in Deutschland gerade mal für ein warmes Mittagessen reichen würde. Von den Rückenschmerzen und Haltungsschäden ganz zu schweigen.

Oder möchtest du mit dem Mann tauschen, der bei uns in der Firma neulich die Bodenmarkierungen nachgestrichen hat? Dass Farbe meistens nicht gerade gesundheitsfördernd ist, ist kein Geheimnis – aber der beißende Geruch der Chemikalien, die er verwenden musste sind eine ganz andere Dimension im Vergleich zu allem was meine Nase bisher ertragen musste. Monatelang fermentierendes Tofu, was hier in der Nähe von Shanghai als Delikatesse gilt, ist dagegen auf jeden Fall ein Gedicht. Naja, der gute Mann hatte keinen Mund- oder Atemschutz. Und ich habe schon nach 10 Sekunden in seiner Nähe einen Hustenanfall bekommen. Bin ich einfach so empfindlich oder ist er abgehärtet wie ein japanisches Samuraischwert? Ich bin der Meinung, dass niemand auf der Welt unter solchen Bedingungen arbeiten sollte.

So, wo ist jetzt dein Argument, dein großer Grund dich zu beklagen? Wir haben in Deutschland großartige Voraussetzungen. Sicher gibt es auch in Deutschland einige sehr harte Berufe, aber mit großer Wahrscheinlichkeit nichts was mit dem was in anderen Ländern passiert vergleichbares. Unsere Möglichkeiten in Deutschland sind gigantisch! Ich sage nur kostenlose Schulbildung, die duale Ausbildung, immer leichter werdender Zugang zu Fachhochschulen und (relativ) freie Berufswahl.

Also nochmal die beiden Möglichkeiten für die weniger schönen Phasen des Alltags: Mach dir bewusst, wie gut du es im internationalen Vergleich hast oder, wenn das nur ein schwacher Trost ist, ändere deine Situation, denn Europa bietet dazu fast grenzenlose Möglichkeiten!

 

 

 

Folge #9 – Bist auch du noch ein Höhlenmensch?

Am letzten Wochenende war ich auf der Shanghai Automotive Show. Interessante Veranstaltung, vor allem wenn man, so wie ich, ein Autonarr ist. Naja. Um ehrlich zu sein, wollte ich schon nach 10 Minuten wieder zurück in meine Wohnung. Dieses abartige Gedränge hat mich wahnsinnig gemacht. Ohne zu übertreiben, teilweise wurden Leute gewalttätig (Ellbogeneinsatz) nur um bei Lamborghini, Ferrari oder Mercedes in der ersten Reihe zu stehen und einen Blick aus nächster Nähe auf diese (zugegeben ästhetisch geformten) Blechhaufen zu erhaschen. Vollkommen irre, wenn man so drüber nachdenkt. Man hätte glauben können, es wäre eine Hungersnot ausgebrochen und in der ersten Reihe vor dem „Fahrzeuggehege“ gäbe es kostenlos Brot und Wasser. Aber es ging nur darum, einen Blick zu erhaschen – auf etwas, was in der realen Welt, die Naturgesetzen etc. unterliegt, absolut keinen Wert hat. Eigentlich existieren unsere „Marken“ nicht mal. Sie existieren nur subjektiv in unseren Köpfen, weil wir von klein auf damit konditioniert werden.

Dem Höhlenmensch wäre der Ferrari scheißegal. Aber – Yuval Noah Harari erklärt es in seinem Buch „Sapiens – A Brief History of Humankind“ sehr treffend – auch dem Höhlenmensch ging es nicht nur um objektiv wertvolle Sachen wie Nahrung oder ein Dach über dem Kopf. Schon unsere Vorfahren wurden sozial konditioniert, gewisse Götzen anzubeten. Und das ist gut so – denn sonst wäre der Mensch heute nicht da, wo er ist. Götzenbilder (Religionen, Marken, Nationen) sind wichtige Werkzeuge, um tausende, sogar Millionen und Milliarden von Menschen von einem gemeinsamen Ziel zu überzeugen und so die Macht von einzelnen Individuen zu einer kollektiven, unschlagbaren Kraft zu vereinen. So ist es unserer Spezies gelungen, die Kontrolle über den Planeten zu erlangen, weshalb wir heute bis auf wenige Ausnahmen praktisch keinerlei objektive Sorgen mehr haben müssen.

Der Unterschied – heute dienen die Götzenbilder wie BMW, Mercedes, Armani, Rolex und wie sie auch immer alle heißen – nicht mehr dazu, ein gemeinsames Ziel für die Spezies zu generieren, sondern einigen wenigen unendliche Macht (monetären Reichtum und Einfluss) zu verschaffen. Die Werbung konditioniert uns dazu, uns zu versklaven und uns hoch zu verschulden, um den vermeintlichen gesellschaftlichen Erwartungen gerecht zu werden. Fußballfans prügeln sich mit Anhängern anderer Mannschaften, verfallen in Wut oder Depression wenn ihr Verein verliert und werden so unfähig, die Kontrolle über ihr EIGENES Leben zu erhalten und religiöse Extremisten sind zu einer existenziellen Bedrohung für uns alle geworden, weil sie Andersdenkende um jeden Preis auslöschen wollen.

Unsere Empfänglichkeit für diese Götzenbilder ist also evolutionär bedingt und tief in unseren Instinkten verankert. Und noch heute ist z.B. die Religion für den einen oder anderen ein wichtiger Rettungsanker in schwierigen Lebenslagen. Die begehrten Luxuskarossen begründen einen wichtigen Wirtschaftssektor, ohne denen unter anderem mein eigener Arbeitsplatz nicht existieren könnte. Allerdings, so finde ich, sollte man vorsichtig und reflektiert mit diesen menschgemachten Versuchungen umgehen. In China – und sicherlich auch in Deutschland – soll es geringverdienende Leute geben, die im Kampf nach einem „höheren“ sozialen Status Kredite mit 30 Jahren Laufzeit für einen BMW aufnehmen. Das ist eine Form von Götzentum, die dem Individuum größtmöglichen Schaden zufügt. Religiöser Fanatismus, der bis zum Selbstmordattentat führt, schadet jedem einzelnen, verdammt nochmal nichts und NIEMAND auf diesem Planeten profitiert davon.

Mein Appell: Sei dir bewusst, dass du biologisch noch sehr viel mit dem Höhlenmensch gemeinsam hast. Dein Instinkt wird dich zu den selben Aktionen führen wie unsere Vorfahren. Deshalb: Reflektiere deine Denkmuster. Überlege zweimal vor Konsumkäufen. Ist die Qualität des überteuerten Markenprodukts tatsächlich so viel höher als die des No-Name-Produkts, dass es den doppelten Preis rechtfertigt? Hängt mein persönliches Lebensglück wirklich vom Erfolg des FC Bayern ab? Macht es Sinn, passiv zu leben in der Hoffnung dass Jesus dafür sorgt, dass es mir eines Tages besser gehen wird?

Lasst uns die Vorteile unserer menschgemachten Realität nutzen, denn die menschliche Vorstellungskraft ist immens und hat uns unseren luxuriösen Lebensstil erst ermöglicht und wird uns auch in Zukunft dabei helfen, in unvorstellbare Sphären vorzustoßen. Doch Vorsicht ist geboten – denn nicht alles was glänzt ist Gold!

Folge #8 – Wie zu viel Emotion jede Beziehung vernichtet

Die Chinesen haben uns Deutschen etwas voraus – Ich habe noch nie eine solche Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft erlebt. Wenn ich Hilfe brauche, lässt jeder sofort alles stehen und liegen um mir zur Seite zu stehen. Manchmal ein ganz schön komisches Gefühl, aber ich bin sehr dankbar für diese wunderbaren Freunde, die ich hier gefunden habe. Jedoch – so unbeschreiblich gutherzig wie die privaten Beziehungen sind, ebenso von Drama, Impuls und Chaos geprägt sind die Geschäftsbeziehungen. Woran ich die Analogie einer chinesischen Geschäftsbeziehung zu einer Liebesbeziehung oder Freundschaft festmache, das erfährst du in den nächsten Zeilen!

Fehler sind menschlich. Es passiert eben. Wichtig ist es, aus Fehlern zu lernen und passende Lösungen für die daraus entstandenen Konsequenzen zu finden. Meine Aufgabe ist es unter anderem, Fehlerursachen ausfindig zu machen und in Zukunft abzustellen. Das ist sehr spannend, wie du dir sicher vorstellen kannst. Worauf ich allerdings angewiesen bin, ist Kooperation. Ob mein Kunde nun die interne Produktions- oder Forschungsabteilung ist oder der eine externe Firma ist, spielt diesbezüglich kaum eine Rolle. Was mir hier in den ersten 3 Monaten jedoch ganz deutlich auffällt, sind die Unterschiede einer deutschen und einer chinesischen Kunde-Lieferant-Beziehung. Der deutsche Kunde kooperiert – da hat man ein Gefühl von gegenseitigem Respekt und Vertrauen. Notwendige Informationen werden – sofern sie nicht Betriebsgeheimnis sind – offen ausgetauscht, wenn sie der Problemlösung zuträglich sind. Es ist eine relativ gleichberechtigte Beziehung auf Augenhöhe. In China ist das „etwas“ anders. Die Kommunikation ist kaum lösungsorientiert – es geht überwiegend um Machtausübung. Der Lieferant wird „von oben herab“ behandelt. Probleme werden wenig logisch, sondern sehr stark emotional angegangen. Und so passiert es hier viel zu oft, dass die Abstellmaßnahme unnötig verzögert wird, weil Kunden den Lieferanten harsch in ihr Werk „bitten“ – obwohl man eine Lösung unkompliziert, effizienter und effektiver in einem Telefonat oder einer E-Mail bieten könnte, wenn man denn dürfte. Denn der Kundenbesuch wird nicht geplant, bzw. am nächsten Tag durchgeführt, sondern er hat SOFORT zu erfolgen. Um 13 Uhr wird ein vermeintlicher Qualitätsmangel entdeckt, um 14 Uhr wird die Anwesenheit in einer 50 km entfernten Stadt erwartet. Irre, oder? Dass da nicht viel Zeit bleibt, um sich vorzubereiten und tatsächlich vor Ort Mehrwert zu bieten, erklärt sich von selbst… Wie gesagt, das ist in meinen Augen keine lösungsorientierte Strategie, sondern reine Schikane und Machtausübung. Oder wie ich es auch nenne: Drama!

Das ist meiner Meinung nach ein schönes Gleichnis. Denn im Privatleben läuft es oft nicht anders ab – in Deutschland und wahrscheinlich auch überall sonst! Hand aufs Herz, wer hatte noch nie einen Freund oder eine Freundin (ob in einer Liebesbeziehung oder rein freundschaftlich spielt keine Rolle), mit dem ein konstruktives „Problemmanagement“ absolut unmöglich war? Da sagt man spontan und schweren Herzens eine Verabredung ab, weil z.B. die Oma ins Krankenhaus muss oder man unvorhergesehen Überstunden leisten soll und der „Freund“ macht daraus eine Riesenwelle, etwa in Form von üblen Beleidigungen, Kontaktabbruch bis hin zu Rufmord. Weil jemand mal den Jahrestag verschwitzt hat oder mal eine Stunde nicht auf WhatsApp geantwortet hat werden Riesenfässer aufgemacht und bitterböse verbale Konflikte gestartet. Diese permanenten Dramen in vielen Beziehungen, die ständigen kleinen Kriegsschauplätze wegen unkonstruktiv und rein emotional angegangenen Problemen, untergraben langfristig jegliche Loyalität. Ich will gar nicht wissen, wie viele Liebesbeziehungen wegen solchem Bullshit gescheitert sind.

So rein aus Impuls und aus der Emotion heraus fällt es schwer empathisch zu sein. Und Empathie ist mächtig. Vielleicht sogar das mächtigste Werkzeug im Hinblick auf Konflikte. Es bedeutet so viel wie Mitgefühl, sich in einen anderen hineinversetzen. Und das geht von beiden Seiten, sowohl der „Übeltäter“ als auch der „Geschädigte“ sollte das tun. Wenn ich also das Jahrestagsessen mit meiner Freundin schweren Herzens absagen muss, weil Oma oder Opa dringend Hilfe brauchen oder ich einem Freund den gemeinsamen Kinobesuch 3 Stunden vorher absage, weil mein Chef von mir Überstunden verlangt, dann meine ich das sicher nicht böse. Und so sollte ich es auch kommunizieren. Denn ich selbst bin natürlich auch enttäuscht, wenn mir jemand (am besten spontan 🙁 ) absagt. Was mich dann auf jeden Fall interessiert, sind die Gründe dafür. Das ist man dem Gegenüber in jedem Fall schuldig. Und auf der anderen Seite wünsche ich mir, dass ich in meinen Beweggründen verstanden werde und zusätzlich zu meiner persönlichen Enttäuschung noch ein ausgewachsenes Beziehungs-/Freundschaftsproblem heranwächst. Denn das ist Drama in Reinform. Davon profitiert wirklich niemand.

Emotion, um auf den Titel des heutigen Artikels zurückzukommen, will ich nicht verteufeln, auf gar keinen Fall. Jegliche Beziehung braucht etwas Reibung und lebt von Emotion. Es kommt aber darauf an, welcher Art die Emotionen sind. Feurige Leidenschaft, Hingabe und Loyalität, das sind hilfreiche Emotionen. Drama, Missgunst, Machtgehabe schaden nur. Ausschließlich. Daher mein Appell an die Welt: Verbale Gewalt in der Kommunikation ist scheiße. Sie taugt nur um Beziehungen nachhaltig zu vernichten. Und selbst um Beziehungen zu beenden gibt es Millionen von besseren Wegen. Das Zauberwort lautet Empathie! Wie kann mein Kunde oder Lieferant (=Freund, Freundin, wer auch immer …) verstehen, worum es mir geht? Wie kann man gemeinsam auf Augenhöhe eine nachhaltige Lösung für Konflikte finden und Missverständnisse in Zukunft vermeiden? Denn das ist das Geheimnis für innige Freundschaften und lebenslange Liebesbeziehungen. Lasst uns diese Mentalität leben und so dazu beitragen, die Konflikte auf der Erde auf breiter Basis zu bekämpfen, mit unserer Empathie!

Folge #7 – Fast Food & Alkohol – Die 100%-Erfolgsformel für ein durchschnittliches Leben!

Sorry Folks, ich habe euch verarscht. Der Blog heißt zwar Abenteuer in Shanghai, tatsächlich bin ich aber wo anders. „Abenteuer in Pinghu“ würde zwar auch cool klingen, aber dieses „Kaff“ mit mickrigen 800.000 Einwohnern ca. 80 km südlich von Shanghai kennen wahrscheinlich die wenigsten. Der heutige Blogeintrag handelt aber tatsächlich von einem Abenteuer aus der größten Metropole Chinas!

Letztes Wochenende war mein erstes komplettes Wochenende in Shanghai. 3 Buchstaben – WOW! Für einen Dorfburschen wie mich (ich komme aus einem kleinem Dorf am Lech in Bayern, 1000 Einwohner) eine absolut überwältigende Erfahrung, in einer 23 Mio-Einwohner-Stadt zu sein. Hier gibt es wirklich absolut alles – oder anders gesagt, es gibt nichts was es nicht gibt!

Genau in diesem Überfluss lauert allerdings eine Gefahr, die mir erst ein paar Tage später, nämlich am folgenden Montag schmerzhaft bewusst wurde… doch mehr dazu ein paar Zeilen weiter unten.

Hier nicht exzessiv zu leben, ist kaum möglich – man ist permanent von Stimulus wie leuchtenden Reklamen, lauter Musik, tausenden Menschen oder Straßenlärm umgeben, die Sinne kommen nie zur Ruhe. Kaum zu ertragen ohne … Bier! 🙂 Wir waren ohnehin eine gut gelaunte Gruppe und es ist kein Geheimnis, dass Alkohol in Maßen die Stimmung noch weiter aufhellt. Nun gut, aus den „Maßen“ wurden im Laufe der Stunden „Massen“ und auch zum einen oder anderen Caipirinha sagte ich nicht mehr nein … Wir erkundeten das Nachtleben in Shanghai, entdeckten ein paar interessante Clubs und Gegebenheiten, die in Europa undenkbar wären, hatten eine super Zeit. Wie haben wir den dicken Kopf am nächsten Morgen bekämpft? Feuer mit Feuer, Kater mit Bier, den Hunger mit McDonalds und Subways Sandwich. Wir hatten einen genialen Tag, es wurde viel gelacht, die Stimmung war großartig. Am Abend endlich mal wieder richtiges europäisches Essen im ersten Italiener Shanghais, dem „Da Marco“. Pizza 🙂 Feststellung: Von chinesischen Essen wird man satt, aber man fühlt sich nie überfressen (zumindest geht´s mir so). Unser europäisches Essen kann jedoch leicht dazu führen, dass man gefühlt „explodiert“. Besonders nach nun etwa 10 Wochen China ist mir das aufgefallen.

Je ne regrette rien, ich bereue nichts! Es war ein Hammer-Wochenende!

Dennoch. So einen harten Montagmorgen hatte ich schon lange nicht mehr. Sonst wache ich etwa um halb 7 noch vor dem Wecker auf und kann noch gut 45 Minuten lesen, schreiben oder meditieren, bevor ich zur Arbeit muss, aber an diesem Montag ging das alles nicht. Das Problem war nicht, dass mein Körper von diesem exzessiven Wochenende ausgelaugt war – es war der Kopf, leer und ausgebrannt. Es fühlte sich an wie Entzugserscheinungen nach der permanenten Stimulierung durch die lebhafte Umgebung, den Alkohol und das fettige Essen. Ich hatte keine Kraft um aufzustehen geschweige denn an meinen ambitionierten Zielen im Rahmen von „Light your Fyre“ zu arbeiten…

Mein Fazit: Ich will hier nicht als Moralapostel mit erhobenem Zeigefinger stehen und irgendwem erzählen, wie böse und schlecht Alkohol und FastFood sind – doch dass unter anderem der exzessive Konsum dieser beiden Dinge ein Grund dafür ist, dass so mancher den Montag scheiße findet, ist mir mal wieder bewusst geworden. Es spricht nichts gegen die Feierabendhalbe mit Freunden oder auch mal einen süffigen Abend mit Freunden – doch ich verstehe jetzt warum ich noch vor einigen Jahren nichts auf die Reihe gebracht habe. Da war mein Lifestyle folgender: Arbeit – Wochenende – Arbeit, oder detailliert: Arbeit – Saufen, FastFood, Fußball (immerhin Sport 🙂 ), Videospiele, Fernsehen – Arbeit usw… Kein Wunder dass ich keine Energie hatte, um auch nur einen Millimeter aus meiner Komfortzone auszubrechen, wo ich doch nichts anderes tat als meinen Geist mit Überstimulierung durch die Drogen Alkohol und FastFood zu betäuben.

Es hört sich spießig an – aber durch ein paar kleine Änderungen im Alltag lassen sich gigantische positive Entwicklungen herbeiführen. Bewusstere Ernährung, mehr Obst und Gemüse, weniger Fleisch und nur ein Minimum FastFood oder Süßigkeiten. Statt TV und Videospielen regelmäßig ein Buch lesen. Statt in den Tag hineinzuleben ein Ziel verfolgen, dem Leben einen Sinn geben (Ich bin mir gerade nicht mehr sicher, wer das gesagt hat, aber der Sinn des Lebens ist es, dem Leben einen Sinn zu geben!). Danke auf jeden Fall an denjenigen, eine Hammer Erkenntnis!

 

Folge #6 – Emotionale Unabhängigkeit – Niemand ist allein!

Ich bin am anderen Ende der Welt, während meine Freundin zuhause in Deutschland ist. Ich habe eine sehr gute Zeit, viele spannende Erfahrungen und bin rundum glücklich. Allerdings – im gewissen Sinne würde ich mich zur Zeit als „einsam“ bezeichnen. Manche Menschen in unserem Leben sind durch nichts zu ersetzen und hinterlassen eine Lücke, wenn sie (wenn auch nur vorübergehend) nicht da sind. Ich vermisse meinen Schatz wie noch nie zuvor. Manchmal wache ich nachts auf und glaube dass sie da ist – dann drehe mich um und stelle fest dass da nichts ist… Es kann einen regelrecht wahnsinnig machen 🙂

Vielleicht bist oder warst du in eine ähnlichen Situation – dein Partner ist vorübergehend weg – vielleicht bist du aber auch Single und fragst dich, ob und wann der oder die Richtige in dein Leben tritt!

Der Fehler, den viele dabei machen – sie sind ängstlich und verzweifelt aus Angst für immer allein zu sein und strahlen dies aus. So eine Aura wird die meisten potentiellen Partner abschrecken und – schlimmer noch – genau die Personen anziehen, die dir am wenigsten gut tun! Auch mir ging es lange Zeit so. Ich führte einige kurze, unauthentische bis toxische Beziehungen, die am Ende mit viel Schmerz verbunden waren.

Wenn man drüber nachdenkt, dann sind diese Ängste rational betrachtet ziemlich überflüssig. Ein altes Sprichwort sagt, dass es für jeden Topf einen passenden Deckel gibt! Und genau so ist es im realen Leben auch. Sei unabhängig! Sei dir bewusst, dass du gut genug bist! Du musst dich für nichts und niemanden verstellen, denn du bist liebenswert. Jemand, der dich verdient, wird dich akzeptieren wie du bist. Zeig dich, gib anderen Menschen die Chance dich kennenzulernen.

Mir gibt das Bewusstsein, dass „jemand auf mich wartet“ enorm viel Kraft und eine einladende Ausstrahlung. Selten ist es mir so leicht gefallen, Freundschaften zu knüpfen. Ich weiß dass ich nicht für immer allein sein werde – dadurch kann ich unabhängiger kommunizieren. Ich habe keinerlei Erwartungshaltung an den Verlauf eines Gesprächs. Top oder Flop – mir egal!
Allgemein: Wenn eine Freundschaft (oder mehr) entstehen soll, dann wird das passieren. Wenn nicht … auch nicht schlimm! Next

Der Unterschied zwischen meiner Situation und der eines Singles: Ich weiß den Zeitpunkt an dem meine Einsamkeit enden wird. Das wars. Ansonsten hat jeder, der gewillt ist etwas zu ändern die Möglichkeit dazu.

Viel Spaß und Erfolg! DU bist toll!

Folge #5 – Einfach mal loslassen – Vertrauen lohnt sich!

Mal ganz ehrlich – die meisten von uns haben Angst davor, etwas anders zu machen als gewohnt. Bewährte Dinge zu ändern, beinhaltet schließlich immer ein mehr oder weniger großes Rest-Risiko, welches eine Verschlechterung bede uten kann.

Besonders wenn es auch noch darum geht, menschliche Leistungen in Anspruch zu nehmen. Besonders wenn es um den Friseur, Zahnarzt etc. geht, also um Dienstleister, die direkt an meinem Körper arbeiten. Nach wie vor hoffe ich, dass meine Zähne heil bleiben (nicht nur während meiner Zeit in China). Sollte machbar sein. Eine Sache wurde jedoch innerhalb der letzten Tage unvermeidbar – ein Friseurbesuch! Da ich viel Wert auf ein gepflegtes Äußeres lege, wurde mir meine langsam etwas außer Form geratene Frisur immer mehr zum Ärgernis.

Aber wie soll ich denn in einem Land, wo meine Sprachkenntnisse auf die Zahlen von 1-1000 und ein paar grundlegende Floskeln beschränkt sind ordentlich kommunizieren, was für einen Haarschnitt ich mir vorstelle? Gut, ich habe natürlich jederzeit die Unterstützung meiner einheimischen Kollegen, die ich mittlerweile als gute Freunde bezeichne. Also gingen wir zusammen nach der Arbeit zu einem örtlichen Friseursalon. Der Plan: Mithilfe von Fotos und dolmetschenden Freunden meine Vorstellungen kommunizieren. Da wir alle relativ fit in Englisch sind, war das nicht meine Sorge. Mehr besorgt war ich, ob die chinesischen Friseure ihr Handwerk genau so gut verstehen wie die deutschen Friseure. Und irgendwo habe ich mal gehört, dass Europäer eine andere Haarstruktur haben als Asiaten. Ob da was dran ist und wenn ja, ob der Friseur jemals Erfahrung mit europäischem Haar gemacht hatte, wusste ich ja auch nicht. Na gut, Augen zu und durch, habe ich mir gedacht. Im schlimmsten Fall könnte ich mir ja immer noch eine Glatze rasieren 🙂

Und das Resultat – mal wieder – WOW! Haarschneidekunst vom Feinsten 🙂 Wie dumm meine Sorgen mal wieder waren.  Alle absolut unberechtigt. Kommunikation – easy. Handwerksfertigkeiten des Friseurs – soweit ich es beurteilen kann 1A (auf jeden Fall bin ich hochzufrieden mit dem Ergebnis). Und als Sahnehäubchen gab´s noch eine wundervolle Kopfmassage oben drauf.

Was ich getan habe? Ich habe mich fallen gelassen – die Ängste und schlimmen Befürchtungen beiseite geschoben, mir erstmal bewusst gemacht, was denn tatsächlich die schlimmste Konsequenz eines unfähigen Friseurs wäre. Bin zum Schluss gekommen, dass das alles andere als ein Beinbruch wäre. Und ja – zu guter Letzt hat sich mein Vertrauen ausgezahlt!

Meine Lektion: Einfach mal weniger nachdenken, weniger Horrorszenarien ausmalen. Anderen Leuten Vertrauen schenken (Gesetz der Anziehung). Das zahlt sich aus. Denn laut meinen aktuellen Erfahrungen sind Überraschungen meist positiv – wenn man mit einer positiven Grundeinstellung in unbekannte Situationen geht!

Zaijian!

Folge #4 – Fleisch und wie sich meine Einstellung dazu geändert hat

Hmmm …. lecker, Shrimps! Gut, darüber gibt es geteilte Meinungen. Bis vor ca. 5 Wochen gehörte ich noch zu der Sorte, die man damit jagen konnte. Dann war ich zum ersten Mal in China. Mann, sind die dort lecker! Liegt wahrscheinlich daran, dass sie dort, Nähe Shanghai, also direkt am Meer, nicht so lange Transportwege zurücklegen müssen wie bei uns, also wesentlich frischer sind. Jaaa, frisch. Wie frisch, das habe ich gestern erfahren. Genau genommen habe ich (glaube ich) noch nie zuvor etwas so frisches gegessen. Und genau da kam der große AHA!-Effekt her.

Zartbesaitete mögen an dieser Stelle vielleicht abbrechen zu lesen. Denn – die Tierchen waren noch quietschfidel, als sie serviert wurden. Am Tisch, ein kleiner Elektrogrill mit einer Pfanne. Darin sind die meisten davon direkt gelandet, zwei hatten einen ausgeprägten Lebenswillen und konnten sich noch aus der Pfanne retten – zumindest bis die Bedienung sie packte und dorthin ablegte, wo sie hingehörten. Nämlich auf den Grill. Dahin, wo die anderen ca. 20 Shrimps noch mehr oder weniger energisch im Todeskampf zappelten. Nach einigen Minuten hatte schließlich jeder einzelne der kleinen Wichte den aussichtslosen Kampf verloren. Sie waren tot – und verzehrsbereit. Zwickmühle für mich – eigentlich war ich etwas angewidert von dieser Praxis – auf der anderen Seite sehr hungrig. Ich habe mich entschieden, zu essen. Komisches Gefühl. Man reißt ihnen Kopf und Schwanz ab und isst den Rest. Findest du das ethisch korrekt? Das würde mich brennend interessieren, schreib deine Meinung gern in die Kommentare.

In Deutschland bekommt man meines Wissens nach meistens nur den essbaren Teil serviert. Und genau das finde ich persönlich, nach meinen bisherigen Erfahrungen in China, ethisch NICHT korrekt. In der deutschen Küche fehlt definitiv das Bewusstsein, dass Fleischprodukte (ich zähle Meeresfrüchte und Fisch der Einfachheit halber dazu) einmal Lebewesen waren. Lebewesen, die für unseren Hunger, oder schlimmer – unsere Geschmacksgelüste – gestorben sind. Und nein, ich will jetzt niemanden bekehren, in Zukunft vegetarisch zu leben – ganz im Gegenteil!

In China ist es nicht unüblich, dass ein nicht ganz kleiner Rest des Essens übrig gelassen wird. Das zeigt dem Koch, dass er nicht zu wenig aufgetischt hat. Gestern, nachdem ich das Essen aus Ehrfurcht vor dem Leben der Shrimps so genossen habe wie selten zuvor, habe ich meine chinesischen Freunde gebeten, nichts ehemals lebendiges übrig zu lassen. Der Gedanke, dass einer dieser Shrimps, die allesamt mutig und tapfer den Kampf David gegen Goliath, Shrimp gegen Pfanne, angenommen und unvermeidlich verloren haben, umsonst gestorben ist und einfach im Mülleimer landen sollte, hat mich irgendwie innerlich fertig gemacht. Mein neuester Vorsatz:

  • Genieße Fleisch mit vollem Bewusstsein und voller Demut!
  • Sei dankbar für Fleisch!
  • Wirf Fleisch niemals leichtfertig weg!

Ich freue mich auf dein Feedback. Ich hoffe, dass ich dich mit diesem Artikel berühren und damit zum Nachdenken anregen konnte.

Zaijian!